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Parlament stärkt die höhere Berufsbildung!

Parlament-staerkt-die-hoehere-Berufsbildung-w. Bundeshaus Fassade Süd mit dem Hauptgebäude(Tempelfront) im Zentrum.

Parlament stärkt die höhere Berufsbildung. Die Berufsbildung in der Schweiz bietet Unternehmen Zugang zu qualifiziertem Personal. Vielen jungen Menschen eröffnet sie Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Ausserdem ermöglicht sie den Zugang zu einem Studium an einer Hochschule. Und mehrere Statistiken zeigen, dass junge Menschen, die eine Lehre absolviert haben, leichter eine Stelle finden als Hochschulabsolventen. Daher kann man sich über die vom Parlament verabschiedete Gesetzesrevision freuen, die die höhere Berufsbildung weiter stärkt.

Vier Massnahmen zur Stärkung der Berufsbildung

Die Wintersession der eidgenössischen Räte endete am 19.12.2025. Zu den Geschäften, die bei dieser Gelegenheit einen glücklichen Abschluss finden, gehört eine Änderung des Bundesgesetzes über die Berufsbildung (BBG). Die Nummer des Geschäfts (25.046) zeigt, dass es in diesem Jahr vor das Parlament gekommen ist. Der Bundesrat hat diesen Entwurf am 30. April 2025 vorgelegt und die Dinge liessen nicht lange auf sich warten.

Die Änderung des BBG, die 2024 Gegenstand eines Vernehmlassungsverfahrens war, enthält vier Massnahmen, „um die höhere Berufsbildung bekannter zu machen, ihr gesellschaftliches Ansehen zu steigern und vergleichbare Voraussetzungen auf der Tertiärstufe des Bildungssystems zu schaffen“.

  • Die erste Massnahme sieht vor, dass künftig nur Anbieter eidgenössisch anerkannter Bildungsgänge die Bezeichnung „Höhere Fachschule“ führen dürfen. Dies soll die Sichtbarkeit dieser Bildungsinstitutionen und ihrer Bildungsgänge erhöhen.
  • Die zweite Massnahme führt die „Titelzusätze“ Professional Bachelor und Professional Master ein. Diese englischen Zusätze dürfen nur zusammen mit dem vollständigen, geschützten Titel der betreffenden Diplome verwendet werden; sie sind als vereinfachte Übersetzung des geschützten Titels zulässig. Ziel ist es, die Sichtbarkeit der höheren Berufsbildung auf Tertiärstufe sowie ihr Ansehen in der Öffentlichkeit zu stärken.
  • Die dritte Massnahme erlaubt Englisch als zusätzliche Prüfungssprache für eidgenössische Berufsprüfungen und eidgenössische höhere Fachprüfungen. Die Prüfungen müssen aber weiterhin auch in den Amtssprachen angeboten werden. Diese zusätzliche Möglichkeit dürfte bestimmten international ausgerichteten Wirtschaftsbereichen zugutekommen oder solchen, in denen Englisch die Fachsprache ist.
  • Schliesslich befreit die vierte Massnahme die Nachdiplomstudiengänge der höheren Fachschulen von der Verpflichtung, ein Anerkennungsverfahren des Bundes zu durchlaufen. Diese Studiengänge, die später in einer Verordnung geregelt werden, profitieren somit von einer grösseren Flexibilität, um schnell und flexibel an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes angepasst werden zu können.

Zusatzbezeichnungen in englischer Sprache

Diese Massnahmen stiessen auf keinen Widerspruch… ausser vielleicht die englischen Zusatzbezeichnungen – Professional Bachelor und Professional Master –, die Gegenstand zahlreicher Diskussionen waren. Centre Patronal hatte sich bei den ersten Änderungsentwürfen zum BBG zunächst dagegen ausgesprochen und dabei auf die Gefahr einer Verwechslung mit akademischen Abschlüssen hingewiesen.

Es zeigte sich jedoch schnell, dass diese neuen Titel einen politischen Konsens fanden; es war illusorisch, sich ihnen zu entziehen. Von da an bestand das Ziel darin, eine akzeptable Lösung zu finden, und in dieser Hinsicht kann man den vom Parlament schliesslich gefundenen Kompromiss begrüssen. So werden Professional Bachelor und Professional Master nur als Ergänzungen eingeführt, ohne Bezugnahme auf die jeweilige Fachrichtung; sie ergänzen die bestehenden geschützten Titel, die weiterhin im Vordergrund stehen, die Fachrichtung angeben und in den Amtssprachen verfasst sind. So kann man beispielsweise schreiben: „Projektleiter/Projektleiterin Schreinerei mit eidgenössischem Fachausweis, Professional Bachelor“.

Diese Zusatzbezeichnungen unterstreichen, dass die Abschlüsse der höheren Berufsbildung Teil der Tertiärstufe sind. Sie verbessern das Ansehen der Abschlüsse in der Schweiz und machen sie im Ausland besser erkennbar. Das Bildungssystem wird dadurch nicht verändert.

Die Presse hat kürzlich Zahlen veröffentlicht, aus denen hervorgeht, dass junge Menschen, die eine Lehre absolviert haben, leichter einen Arbeitsplatz finden als Hochschulabsolventen.

Die Lehre ermöglicht den Zugang zur Tertiärstufe

Die Revision des BBG bringt über ihre praktischen Aspekte hinaus das Interesse der Bundespolitik an der höheren Berufsbildung und ganz allgemein an der gesamten Berufsbildung zum Ausdruck. Diese ist, wie Bundesrat Guy Parmelin in den Debatten verdankenswerterweise in Erinnerung gerufen hat, ein zentraler Erfolgsfaktor für die Schweiz. Sie versorgt unsere Unternehmen mit qualifiziertem Personal. Sie ist auch das Rückgrat der sozialen Mobilität, indem sie vielen jungen Menschen Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt bietet. Und vor allem ermöglicht dieser Weg den Zugang zu einem Hochschulstudium, insbesondere dank der höheren Berufsbildung.

In einem Umfeld, in dem die universitäre Ausbildung allzu oft als Königsweg angesehen wird, hat die Presse(paywall) kürzlich Zahlen veröffentlicht, aus denen hervorgeht, dass junge Menschen mit einer Berufsausbildung leichter eine Stelle finden als Hochschulabsolventen und dass die Arbeitslosigkeit in diesen Berufen unter dem Schweizer Durchschnitt liegt. Dies ist ein weiteres Argument, um junge Menschen zu ermutigen, diesen Weg einzuschlagen und direkt ins Berufsleben einzusteigen.



Pierre-Gabriel Bieri,
Responsable politique institutions et sécurité

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