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- Bern - Olivier Savoy

Ernährungsverhalten: Stop der Bevormundung

Ernährungsverhalten: Stop der Bevormundung

Seit vielen Jahren setzt sich die Wirtschaft mit freiwilligen Massnahmen für eine ausgewogene Ernährung ein. Den Erfolgen zum Trotz fordert nun eine Standesinitiative des Kantons Genf vom Bund die staatliche Begrenzung des Zuckergehalts in Lebensmitteln einzuführen.

Obergrenzen und Steuern nicht zielführend

Mit der Standesinitiative „Für eine wirksame Gesundheitsförderung. Begrenzung des Zuckergehalts in industriell her-gestellten Getränken und verarbeiteten Lebensmitteln“ fordert der Grosse Rat des Kantons Genf die Bundesversammlung dazu auf, angesichts der schädlichen Auswirkungen von Zucker auf die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher, die Zuckermenge, die bei der Lebensmittelherstellung zugesetzt werden darf, streng zu begrenzen. Der Grosse Rat verspricht sich von dieser Massnahme eine Reduktion des Zuckers in industriell hergestellten Süssgetränken und verarbeiteten Lebensmitteln und damit ein Rückgang von übermässigem Zuckergenuss; schliesslich soll auf diese Weise auch das öffentliche Gesundheitswesen entlastet werden.

Als weitere Massnahme wird in der Begründung der Standesinitiative die Einführung einer Zuckersteuer vorgesehen. Nach einer Studie der Europäischen Kommission konnte aber gerade die Wirksamkeit einer Zuckersteuer auf die öffentliche Gesundheit insgesamt nicht nachgewiesen werden; eine Einschätzung, die sowohl der Bundesrat als auch die Eidgenössische Kommission für Konsumentenfragen (EKK) teilt. Sodann ist die Umsetzbarkeit von wirksamen substanzbezogenen Steuern nicht nur schwierig und finanziell aufwändig, wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) aufgezeigt hat; Sie erhöht auch die finanzielle Belastung der Konsumentinnen und Konsumenten ohne massgebliche Verbesserung der öffentlichen Gesundheit.

Direkte Folge der Begrenzung des Zuckergehalts in bestimmten Lebensmitteln, und erst recht einer Zuckersteuer, wäre die Bevormundung der Konsumentinnen und Konsumenten und die Beschneidung ihrer Wahlfreiheit. Laut repräsentativem Monitor Ernährung und Bewegung 2021 von gfs.bern lehnen aber 71 Prozent der Schweizer Bevölkerung eine Zuckersteuer ab. Auch würde die Begrenzung ein neues Handelshemmnis gegenüber Importen schaffen: entsprechende Produkte wären in der Schweiz entweder gar nicht mehr erhältlich, oder es müssten spezifische Rezepturen für den Schweizer Markt geschaffen werden. Solche Schweiz-spezifischen Produkte würden Parallelimporte ausschliessen und die ausländischen Hersteller könnten die Hochpreisinsel Schweiz voll ausschöpfen; Das Kostenniveau würde – für die noch erhältlichen Produkte – noch weiter steigen.

Freiwillige Massnahmen greifen

Die Wirtschaft setzt sich schon lange für eine ausgewogenen Ernährung ein. Sie beteiligt sich an der Aufklärung und Information der Bevölkerung über den Konsum von ernährungsphysiologisch kritischen Inhaltsstoffen wie Salz, Zucker und Fett und setzt sich seit Jahren für eine transparente Deklaration und die Reduktion des zugesetzten Zuckers in den Lebensmitteln ein. Bei über 75 Prozent der angebotenen Lebensmittel wird heute auf freiwilliger Basis und zusätzlich zur obligatorischen Angabe der Kalorien, des Fett-, Eiweiss-, Kohlenhydrat- und Salzgehalts der Anteil Zucker an den Kohlehydraten explizit ausgewiesen.

Unternehmen entwickeln laufend neue zuckerreduzierte und zuckerfreie Produkte und Rezepturen, womit der Zuckerkonsum laufend gesenkt wird. Die Reduktion des Zuckergehalts in einem Produkt ist aber nicht so einfach. Zucker nimmt in vielen Lebensmitteln wichtige Funktionen in Bezug auf Geschmack, Haltbarkeit und Konsistenz wahr, weshalb oft nur eine langsame, schrittweise Reduktion möglich ist. Auch müssen die Produkte den Konsumentinnen und Konsumenten immer noch schmecken, um kontraproduktive Ausweichhandlungen auf andere, nicht zuckerreduzierte Produkte zu vermeiden oder den Einkaufstourismus zu fördern.

Schliesslich unterstützt die Wirtschaft Projekte zur Gesundheitsförderung, Ernährungserziehung und Bewegungsförderung sowie die verantwortungsvolle Bewerbung von Lebensmitteln (z.B. Swiss Pledge).

Eigeninitiative der Konsumentinnen und Konsumenten fördern

Anstelle eines ungeniessbaren Cocktails von Bevormundung und Preiserhöhung muss die Bevölkerung weiterhin für die Bedeutung von ausgewogener Ernährung und Bewegung sensibilisiert werden. Eine Lenkung des Ernährungsverhaltens sollte gemäss eidgenössischer Kommission für Konsumentenfragen (EKK) primär durch Information und Aufklärung erfolgen und nicht mittels staatlicher Eingriffe.

Mit verschiedenen, von der Nahrungsmittelbranche unterstützten Programmen werden seit Jahren die Bevölkerung – und ganz gezielt auch junge Menschen – angesprochen, um sie zu einem bewussteren Lebens- und Ernährungsverhalten zu motivieren. Und diese Anstrengungen tragen Früchte. In den letzten Jahren kann eine Steigerung der Sport- und Bewegungsaktivitäten sowie gerade bei den Jungen eine Verbesserung des Konsumverhaltens beobachtet werden. Unterstützt wird diese positive Entwicklung zusätzlich durch die verantwortungsvolle Bewerbung von Lebensmitteln.

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Olivier Savoy,
Verbandsmanager

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